Wie üppig war das letzte Abendmahl?

Das letzte Abendmahl Foto: Dieter Schütz  / pixelio.de

Das letzte Abendmahl
Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Wer glaubt, beim Heiland legten die Maler des zweiten Jahrtausends besonders asketische Maßstäbe an, der irrt. Jesus und seine Jünger speisen im Laufe der Jahrhunderte immer üppiger. Zumindest auf Gemälden – und damit in der Fantasie ihrer Betrachter.

Im Rahmen dessen, was die Brüder Brian and Craig Wansink durch den Vergleich von 52 bedeutenden Abendmahlbildern heraus fanden, zählt Leonardo da Vincis Darstellung noch zu den maßvolleren: Vom Hochmittelalter bis heute wuchsen die Portionsgrößen der Hauptgerichte (meist Fisch) um 69, die Tellergrößen um 66 und die Größe der Brotstücke um 23 Prozent! „Die Leute glauben immer, dass zu große Portionen ein aktuelles Phänomen sind“, sagt dazu Ernährungswissenschaftler Brian Wansink. „Unsere Studie offenbart aber, dass der Trend zu ausufernden Essmengen mindestens 1000 Jahre alt ist.“ Schließlich hätten sich die Produktionsmöglichkeiten, die Verfügbarkeit und der Preis für Essen nicht erst kürzlich zu Gunsten der Bevölkerung verbessert, sondern langsam und konstant über die Jahrhunderte. „Dieser Wandel zeigt sich auch in der Kunst, und natürlich besonders im beliebten Motiv des Abendmahls.“

Um die Tendenz zur Überportion zu beweisen, verglichen die Wansinks – Brians Bruder Craig ist praktischerweise Theologe – die Menubestandteile des Gemäldes jeweils mit der Durchschnittsgröße aller Köpfe. Dabei rückten sie Meisterwerken von Lukas Cranach dem Älteren, Peter Paul Rubens, Salvador Dali und zahlreichen anderen Malern mit CAD-Technologie zuleibe, ließen Brotlaibe und Geschirr auf dem Monitor rotieren. So wurde klar: Auch Jesus und seine Jünger werden durch XXL-Portionen, eine der Hauptursachen für Fettleibigkeit, in Versuchung geführt. Zumindest in der menschlichen Fantasie.

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