Wie lässt man jemanden zwangseinweisen?

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Milde belächelt, von Angehörigen festgehalten, abtransportiert von Männern in weißen Kitteln – diesen Alptraum möchten weder psychisch Kranke noch Gesunde erleben. Glücklicherweise ist es nicht ganz einfach, in die Anstalt eingewiesen zu werden.

Generell gibt es zwei Wege: Entweder auf Antrag eines Betreuers (Menschen mit psychiatrischer Vorgeschichte haben oft so einen offiziellen Helfer), oder auf das Wort der Polizei hin. Die erste Methode bedeutet für den Patienten oft einen wochenlangen Psychokrieg („Geh freiwillig, oder ich rufe die Irrenärzte!“), die zweite ist meist das Ergebnis eines lautstarken Ausbruchs des Patienten. Doch ganz gleich, wie sehr ein Mensch seine Umgebung vor den Kopf stößt: „Eine Unterbringung ist nur dann rechtens, wenn er sich oder andere in Gefahr bringt“, erklärt Diplompsychologe Matthias Seibt, Experte beim Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener in Bochum. „Eine psychische Erkrankung und die Unwilligkeit, sich behandeln zu lassen, reichen alleine nicht aus.“

Daher muss eine Einweisung immer auch das Amtsgericht beschließen. Spätestens bis zum Abend des nächsten Tages nach dem Abtransport (in Baden-Württemberg: vier Tage) muss ein Richter den Patienten besuchen und bestätigen, dass die Zwangsmaßnahme gerechtfertigt ist. Dabei urteilt er nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz des jeweiligen Bundeslandes, als medizinischer Laie aber auch mit Hilfe des Arztes – „und zwar oft erst dann, wenn der Eingelieferte bereits unter starken Drogen steht“, bemängelt Seibt. Zwangsbehandlung ist nämlich, obgleich sie heftig diskutiert wird, nicht verboten.

Anders herum kommen Patienten, wenn der Arzt dagegen ist, auch nur auf richterlichen Beschluss wieder aus der geschlossenen Psychiatrie heraus. Sie haben daher stets das Recht, einen Anwalt zu sprechen. Matthias Seibt rät: „Verfassen Sie eine Patientenverfügung, die psychiatrische Zwangsbehandlung ausschließt, benennen Sie einen Bevollmächtigten, dem Sie vertrauen und tragen Sie die Nummer eines guten Rechtsanwalts bei sich.“ Wer das alles hat, kann Arzt und Richter entspannt entgegen treten. (win)

Foto: www.foto-fine-art.de  / pixelio.de

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