Wenn Papa mitspielt geht es leichter

Foto: Alexandra H.  / pixelio.de

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Je früher ein Mann Schwangerschaft und Geburt aktiv mit erlebt, desto schneller wird er zur wertvollen Stütze im Familienteam.

 

Superpappi geht mit seiner Frau zur Geburtsvorbereitung. Dann singt er dem Bauch ein Lied vor und spült ab. Bei der Geburt bringt er die Hebamme auf Trab, tröstet die Liebste und schneidet die Nabelschnur durch. Das Baby wickelt er mit links, worauf es wie ein Engel schläft. Ein Traum. Nur: Superpappi gibt es nicht. Jeder werdende Vater muss erst einmal seine Stärken entdecken und sich seinen Platz neben Mutter und Kind suchen. Der eine schafft das schnell und plaudert schon mit dem Bauch der Partnerin, der andere wärmt erst beschwingt Milchfläschchen, wenn das Baby da ist. Beides ist in Ordnung.

 

Wichtig ist nur, dass der Vater sich nicht ganz ausklinkt und mit „Ich Treff die Kumpels“ oder „Muss arbeiten!“ täglich ein Stück weiter ins Aus befördert. Denn Kinder brauchen ihren Vater. Von Anfang an. „Je früher der Mann in den Babyalltag einsteigt, desto besser“, sagt die Münchner Psychologin und Familienexpertin Johanna Graf, „denn er erfüllt wichtige, grundlegende Aufgaben.“ Die eine, wenn er mit dem Baby spielt: Väter trauen dem Kind körperlich mehr zu, werfen es auch mal hoch, sind allgemein wilder – das fördert die geistigen und motorischen Fähigkeiten des Kindes. Zwei weitere, wenn er die Partnerin glücklich macht und sie entlastet. Alles, was er für sie tut, kommt letztlich dem Baby zu Gute. Und: Ein Kind ist ein 24-Stunden-Job für zwei. Keine Frau kann unbegrenzt schuften, ohne dass der Haussegen schief hängt. „Wie eine Mannschaft beim Ballsport sollten daher auch Eltern möglichst früh klären, wer welche Aufgaben übernimmt und wo Zusammenarbeit gefragt ist“, erklärt Graf. „Das geht nur, wenn der Vater mitmacht.

 

Gut aufgewärmt ist halb gewonnen
Früh einzusteigen ist einfach: Während sie aufs Baby warten, müssen Väter keine komplizierten Wickelgriffe lernen, sondern sollten vor allem seelische Arbeit erledigen. Es lohnt sich jetzt etwa, die Beziehung zur Partnerin zu pflegen. „Wie blühend du aussiehst!“ macht ihr gute Laune, und „Klar hol ich dir Fischmäc mit Preiselbeeren“ sorgt für Wohlbefinden und anhaltende Dankbarkeit. Wer der Schwangeren Pausen verschafft, auf ihre Bedürfnisse reagiert und ihr Arbeit abnimmt, sät, was er nach der Geburt erntet: Eine entspannte, starke Frau, die ihren Partner wertschätzt und den Alltag mit Frohsinn bewältigt.

 

Doch auch um ihr eigenes Inneres sollten Männer sich jetzt kümmern. Wem wird nicht bang, wenn er an die eigenen Eltern denkt und die Fehler, die er vielleicht selbst machen wird? Gegen solche Ängste hilft Nachdenken: „Überlegen Sie, was Sie für ein Vater sein wollen, wie Ihr eigener Vater war, und was für ein Vater Sie nicht sein wollen“, rät Graf. „Wer sich darüber klar ist, hat eine wichtige Hürde genommen.“

 

Das Bedürfnis, die Wohnung babyfit zu machen und mit dem Ungeborenen im Bauch zu kommunizieren, sind natürliche Folgen auf dieses innerliche Vaterwerden. Viele Männer haben Spaß an haptonomischen Übungen: Spezielle Handgriffe, mit denen Eltern das Ungeborene anlocken und zu Antwort-Bewegungen unter der Bauchdecke anregen können. Das wirksamste Mittel, Begeisterung zu wecken, ist aber, gemeinsam zum Ultraschall zu gehen. Baby-TV macht riesige Vorfreude.

 

Vom Start an live dabei
Zum Vergleich: Das Spiel Deutschland-Brasilien will man vom Anstoß an sehen – hundert mal befriedigender ist es, zu sehen, wie das eigene Kind auf die Welt kommt. Klar, wer nicht will oder kann, muss nicht mit in den Kreißsaal. Notfalls können auch Mutter oder Freundin der Schwangeren beistehen, ihre Wünsche gegenüber Arzt und Hebamme vertreten und ihr Mut zusprechen.

 

Doch eins kann nur der Vater: Sein eigenes, neugeborenes Kind in Empfang nehmen und so das Wunder des Lebens festhalten. Eine Geburt ist ein Naturereignis, dass Paaren ein wertvolles Nähepolster für schwierige Zeiten schenkt. Davon abgesehen hat ein Mann, der sie miterlebt, aber auch riesige Vorteile für die Zukunft. Zum Beispiel kann er hinterher mitreden, vor Freunden und Verwandten, aber auch im Gespräch mit seiner Frau. Nur wer es selbst gesehen hat, weiß, was für eine gewaltige Leistung sie da erbracht hat. Auf ein wütendes „Du hast ja keine Ahnung, was ich mit dem Kind durchmache!“ reagiert es sich da noch Jahre später sensibler und konstruktiver. Und mehr: Wer dabei war, kann seiner Frau Erinnerungen schenken. Sie war bei der Entbindung vielleicht etwas weggetreten und hat nicht alles genau miterlebt. Wie Anna im ersten Moment die Fäustchen geballt hat? Das hat nur Papa gesehen!

 

Mit ganzem Einsatz Vater
Ist das Kind auf der Welt, haben Väter unzählige Möglichkeiten, aktiv zu werden. Was vorher eine ruhige Kugel im Mutterleib war, ist jetzt ein handfestes Baby, dem man(n) viel Gutes tun kann. Der Ball ist im Spiel, jetzt geht es los! Von wegen Frauensache: Ein Vater sollte auf jeden Fall Zeit mit dem Neugeborenen verbringen und es tragen, wickeln und gegebenenfalls füttern, empfehlen Experten. Wieso sollte nur die Mama die kleine Anna in den Schlaf kuscheln? Auch Papas Brust ist breit und gemütlich. Beim Stillen muss er ebenfalls nicht im Abseits stehen: Er kann der Mama das Kind bringen, beim Anlegen helfen und mit Getränken ihren Milchfluss fördern. Das Wichtigste ist aber, dass er das Kind auch stundenweise alleine hütet. „So kann er eine starke, positive Beziehung zu ihm aufbauen“, so Graf.

 

Ebenfalls unverzichtbar: Hilfe im Haushalt, mit der er der Partnerin Pausen verschafft. Wer will schon eine übermüdete, deprimierte, ungepflegte Frau und Mutter an seiner Seite?

 

„Unser Papa ist aber ein Drückeberger“, wenden nun sicher manche ein. Hier hilft es oft, wenn die Frau dem Vater mehr zutraut und das auch zeigt. Auch Supermammis gibt es nicht: Oft überängstlich, zögern viele, den Mann gleichberechtigt einzubeziehen – ein Fehler. „Toll, wie du Tim gewickelt hast und wie er dabei gegluckst hat. Das hat mich gefreut“ – so ein Lob von Herzen ermutigt Väter und motiviert auch scheinbare Machos.

 

Man stelle sich vor, Handballer würden nicht mehr „hier!“ rufen, wenn sie für den Ball frei sind. Oder würden nicht angespielt, wenn sie bereit stehen: Tore kämen viel seltener zustande. So selten wie zufriedene Momente in einer Familie, in der der Vater nie „Ich mach das!“ sagt, oder die Mutter ihm nichts zutraut. „Miteinander reden und sich Wertschätzung zeigen sind das A und O im Familienteam“, sagt Johanna Graf.

 

Egal also, ab wann er richtig mitmacht: Ein Vater, der durch Gespräche und Tatkraft Teamgeist beweist, kann nicht der schlechteste sein. Vielleicht wird er auf die Art sogar Familien-Captain. Diese Position ist unter Eltern anfangs ja immer frei.

 

Buchtipp

Johanna Graf: „Familienteam – Das Miteinander stärken“, 191 Seiten, Herder Spektrum, 9,90 €
Interview

Wenn der Vater getrennt lebt

Psychologin Ursula Kodjoe aus Emmendingen über die Rolle des Vaters bei Trennungskindern

Baby & Co: Frau Kodjoe, sollte ein Mann die Schwangerschaft mit erleben, wenn er und die künftige Mutter geschiedene Leute sind?

Ursula Kodjoe: Nur wenn sich beide einig sind. Meist ist es aber so, dass in dieser Phase die Trennung frisch ist, und damit auch der Schmerz und der Zorn auf den Anderen. Da ist es oft besser, Distanz zu halten, Wunden heilen zu lassen und Mutter und Kind Stress zu ersparen.

Wann sollte ein getrennt lebender Vater spätestens für Mutter und Kind da sein?

Babys entwickeln ab dem zweiten Monat eine unabhängige Bindung zum Vater. Die ist wichtig für die spätere Identitätsfindung und das Selbstbewusstsein: War der Vater nicht da, fühlt sich das Kind später vielleicht abgelehnt und minderwertig. Der Vater sollte den Säugling drei Mal die Woche ein oder zwei Stunden tragen, kuscheln und spazieren fahren.

Alleine oder mit der Mutter?

Am besten alleine. Nur so entsteht eine Bindung zwischen Vater und Kind, und außerdem hat so die Mutter frei und kann verschnaufen. Es ist sehr förderlich für eine entspannte Atmosphäre und eine vernünftige Organisation, wenn der Vater die Alleinerziehende regelmäßig fragt, wie er sie entlasten kann.

Autor: Isabel Winklbauer

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1 Antwort

  1. Sehr toller Beitrag den du da geschrieben hast. Jetzt hab ich das gefunden was ich gesucht hatte. Ich wuerde auch gerne den RSS Feed von deinem Webblog abonieren aber leider finde ich diesen nicht. Wo muss ich denn danach suchen?

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