Tun Spritzen weniger weh, wenn man wegschaut?

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Mann darf es sich offiziell für den nächsten Arzttermin notieren: Beim Spritzen hinschauen! Denn wer seinen Körper betrachtet, fühlt weniger Schmerz. Das steht zwar der weit verbreiteten Überzeugung, man solle bei unangenehmen Behandlungen lieber in die andere Richtung blicken, entgegen. Doch europäische Neurologen haben diesen Zusammenhang jetzt ziemlich eindeutig bewiesen.

Die Forscher des University College London und der Universität Mailand-Bicocca setzten dazu die linken Hände von 18 Testpersonen mehreren Hitzetests aus. Ein Heizstab wurde auf ihren Handrücken gehalten und immer heißer gedreht – so lange, bis die Probanden den Vorgang per Fußpedal abbrachen. Sahen die Personen dabei auf ihre Hand, ertrugen sie ganze 3°C mehr Hitze als wenn ihnen die Sicht durch einen Holzblock versperrt war.

Anschließend zeigten die Neurologen den Testpersonen ihre Hand auch noch in vergrößerter Form, während sie gepiesackt wurden. Auch hier ertrugen sie deutlich höhere Temperaturen, als wenn man ihnen die Hand in verkleinerter Ansicht zeigte. „Das Bild, dass sich unser Gehirn vom Körper macht, beeinflusst das Schmerzempfinden ganz erheblich“, schließt daraus Flavia Mancini, die Leiterin der Studie. „Was wir sehen, steuert sogar direkt das Level der Schmerzgrenze.”

Mancini und ihre Kollegen erhoffen sich von der Erkenntnis nun eine höhere Lebensqualität für chronische Schmerzpatienten. Alleine in Deutschland klagen rund sechs Millionen Menschen über ständige, nicht therapierbare Beschwerden. „Wenn jetzt über den Schmerzreiz hinaus, an den Körper an sich gedacht wird, führt das vielleicht zu neuen, besseren Behandlungsmethoden.“

 

Foto: www.jenaFoto24.de  / pixelio.de

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