Macht Müll intolerant?

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Müll führt automatisch zu Klischeedenken und Diskriminierung. Und Aufräumen verhindert beides! Das verkündeten kürzlich zwei Soziologen der Universitäten Tilburg und Groningen, nachdem sie die Wirkung von Abfall und Chaos auf Passanten getestet hatten.

Zum Beispiel so: Als die Müllabfuhr am Bahnhof Utrecht streikte, platzierten die Forscher abwechselnd einen Europäer und einen Afrikaner auf dem ersten Sitz eines Wartestands. Umgeben von unabgeholten Abfällen, ließen die 40 Testpersonen, die sich dazu setzen sollten, im Durchschnitt zwei Plätze zwischen sich und dem Weißen – jedoch drei zwischen sich und dem Farbigen. Eine Woche später, als der Bahnhof wieder blitzblank war, ließen sie zwischen sich und dem dunkelhäutigen Fahrgast nur noch zwei Sitze, machten ihn im Geiste also dem Weißen ebenbürtig. Auch in Fragebögen erwiesen sie sich, umringt von Müll, kategorischer in ihren Urteilen gegenüber Muslimen und Homosexuellen.

Im zweiten Test sollten Bewohner einer noblen Wohngegend für „Minderheiten, Immigranten und Obdachlose“ spenden. Befanden sich in ihrer Nähe ausgerissene Pflastersteine, ein herrenloses Fahrrad und ein falsch geparktes Auto, gaben sie durchschnittlich 1,70 Euro. War das Pflaster jedoch glatt, das Fahrrad aufrecht und das Auto in Fahrtrichtung geparkt, gaben sie 2,35 Euro. Auch ihre Aussagen zu Randgruppen waren dann weniger reaktionär.

Studienleiter Diederik Stapel erklärt: „Eine chaotische Umgebung erhöht wahrscheinlich das Bedürfnis nach Struktur im Menschen. Um sich diese zu schaffen, teilt er die Welt und seine Mitmenschen in stark vereinfachte Kategorien ein, und fasst ebensolche Urteile. Das wiederum führt zu diskriminierendem Verhalten.“ Städte könnten also leicht diskriminierenden Ausschreitungen vorbeugen, indem sie „heruntergekommene Gegenden schnell identifizieren und dort unverzüglich aufräumen. Das ist der günstigste Weg.“

 

Foto: Ruth Rudolph  / pixelio.de

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