Kühle Schätze aus dem Keller

Foto:  Tim Reckmann  / pixelio.de

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Hinter Nürnberg wird es süffig: Oberfranken lockt mit über 1000 einzigartigen Bieren

Sonne, nette Begleitung, ein Seidla Bier vor der Nase und eine Buche oder Linde, die Schatten spendet. Mehr brauchen Franken nicht zum kleinen Glück, denn ihre Biere und die dazu gehörigen Lokale sind eine stille Weltsensation. Nicht nur dass Oberfranken mit 200 Herstellern die höchste Brauereidichte der Welt hat. Die meisten der über 1000 Biersorten der Region werden auch individuell nach alten Familienrezepten hergestellt. Sie bieten unvergleichliche Geschmackserlebnisse! Wessen Gaumen also der bayerischen Großbiere überdrüssig ist, sollte einmal über Nürnberg hinaus schnuppern.

„In Franken gibt es einfach alles“, erzählt Reinhard Löwisch, Bierexperte und stellvertretender Leiter der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz, „vom hellen Lagerbier bis zum Märzen, Festbier und Hefebier. Meistens sind unsere Biere jedoch mit dunkel gehopftem Malz gemacht und somit dunkler und etwas süßer.“ Laut dem Fachmann ist ihre Individualität das Beste an ihnen: „Keines schmeckt wie das andere. Sogar innerhalb einer Brauerei variiert der Geschmack des Bieres manchmal, wenn außer der Reihe ein anderes Malz verwendet wurde. Darin liegt der Reiz.“

Um mit dem kühlen Genuss zu beginnen, ist Kulmbach keine schlechte Adresse. Hier, 22 Kilometer nördlich von Bayreuth, wurde 1846 die Kulmbacher Brauerei gegründet, die seither ständig expandiert. Über drei Millionen Hektoliter produziert die Brauerei inzwischen jährlich, darunter Spezialitäten wie Kulmbacher Eisbock, Mönchshof Bier oder Eku Pils. „Heimliche Bierhauptstadt“ nenne man Kulmbach deshalb auch, so Löwisch. Und da Erfolg repräsentiert werden muss, gibt es auf dem Mönchshofgelände heute ein imposantes Biermuseum. Von den Anfängen der Brauwirtschaft bis zu moderner Technik wird alles vorgeführt – und natürlich probiert.

Auch Bamberg muss sich nicht verstecken. Im Brauereimuseum auf dem Michaelsberg lädt ein altes Kreuzgewölbe mit Sud- und Kühlhaus, Gär- und Eiskeller, Mälzerei und Büttnerei zur Besichtigung ein. „Eine Spezialität ist dort vor allem das Rauchbier ‚Schlenkerla’“, weiß Experte Löwisch. „Sein Malz wurde über offenem Buchenrauch getrocknet, es hat eine Art Schinkenaroma. Man sagt, es schmeckt erst nach dem dritten Seidla.“

Neben den Biermuseen in Bayreuth, Weißenbrunn, Beilngries und Hof wartet aber das wohl idyllischste Biermuseum im Freilandmuseum Bad Windsheim. Inmitten herrlicher Wiesen und Felder passieren die Spaziergänger nicht nur schnucklige Bauernhöfe, sondern auch zwei antike Brauhäuser aus dem 17. Jahrhundert. Am 27. April, dem Internationalen Tag des Bieres, werden beide Häuser vor dem Publikum in Betrieb genommen und brauen ein spezielles Museumsbier. Kühle Schätze aus dem Keller

Die wahren Geheimnisse des fränkischen Biers entdeckt aber nur derjenige, der sich in die Wildnis wagt. Es wird keineswegs nur in den Städten gebraut: Fast in jedem noch so kleinen Dorf zwischen Nürnberg und Coburg, zwischen Marktredwitz und Würzburg betreibt irgendein Familiengasthof einen Sudkessel, aus dem ein süffiges Geheimbier kommt. Am klügsten ist es, diese Köstlichkeiten bei einer Tour durch die Fränkische Schweiz aufzuspüren. „Bierkeller“ heißt hier das Zauberwort. Von den lauschigen Schankgärten über in den Sandsteinfels gehauenen Höhlen finden sich Hunderte mitten in der Natur. „Auf dem Bierkeller“ heißt es deshalb, erholt man sich bei Bratwurst, Schäuferla und dem unverzichtbaren Seidla. Ein Seidla – das ist eine normale Halbe von 0,5 Litern. „Und kurz vor Feierabend, wenn man sowieso kein Ganzes mehr rein bringt, kann man sich vom Wirt noch einen ‚Schnitt’ geben lassen“, erklärt Löwisch. „Das ist eine Absacker-Halbe, die nur die Hälfte eines normalen Seidla kostet, aber meist mit 0,3 oder 0,4 Liter großzügig eingeschenkt ist.“ Eine nette Sitte, kurz vor dem Aufbruch zum Auto oder Fahrrad, den Kellerberg hinunter, vorbei an süßen Kirchen, umrankten Feldwegen oder sogar Burgruinen.

Und wie wirkt das fränkische Bier? Aufputschend oder seligmachend? Löwisch lacht. „Wenn man nicht fahren muss, ist man nach zwei bis drei Runden ruhig und glücklich.“ Wo es am besten schmeckt, weiß der erfahrene Franke Löwisch ebenfalls: „Eindeutig auf der Kirchweih. Von denen gibt es bei uns im Sommer unzählige. Ich verrate Ihnen aber ein Geheimnis: Mir persönlich schmeckt das fränkische Bier auch nach Feierabend zuhause ganz köstlich.“

Isabel Winklbauer

Veranstaltungstipps zu Kirchweihen, Volksfesten etc.: www.bierland-oberfranken.de

Allgemeine Infos unter:

Tourismusverband Franken e.V.
Postfach 440453, 90209 Nürnberg
Telefon 0911/94151-0, Fax 0911/94151-10
info@frankentourismus.de

www.frankentourismus.de

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1 Antwort

  1. Hannelore sagt:

    Also die Biere, die Oberfranken so zu bieten hat sind wirklich super. Ein Bekannter von mir hat früher in Regensburg gewohnt, wo wir auch einige Biere probieren konnten. Naja, dafür sind die Deutschen eben bekannt in der Welt 🙂

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