Kann der Mensch noch intelligenter werden?

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Medikamente schaffen es doch ganz einfach: Neuro-Enhancer, die Konzentration und Gedächtnis steigern, erhöhen einfach die Produktion bestimmter Empfängerstoffe im Gehirn, und schon sind wir schlauer. Die Frage liegt nahe, warum uns die Evolution nicht längst von Haus aus so klug hat werden lassen. Die paar Moleküle… Antwort darauf kommt jetzt von Psychologen der Universitäten Warwick (GB) und Basel. Sie sagen: Der Preis für mehr Intelligenz wäre zu hoch. Hätten wir ein besseres Gedächtnis, oder wären wir Aufmerksamkeitschampions, würden wir andere Fähigkeiten einbüßen. Wir sind bereits so intelligent, wie wir nur sein können.

„Unser Gehirn hat sich unter vielfältigen Anforderungen und Umweltbedingungen entwickelt“, erklärt Thomas Hills, Leiter einer vergleichenden Studie über den Preis der Intelligenz. „Es repräsentiert eine ausgeklügelte Balance zwischen allen bestimmenden Umständen, befindet sich sozusagen am Goldenen Punkt. Wird dieser überschritten, müssten wir Abstriche machen.“

Welcher Art diese Abstriche sind, zeigen Hills und Co an Beispielen erhöhter Intelligenz. So wurde etwa in Tests beobachtet, dass das Konzentrationsmittel Ritalin die Denkleistung von Personen mit niedrigem IQ verbessert, nicht aber die von besonders Gescheiten. Menschen mit hohem IQ fühlen sich, im Gegenteil, durch Ritalin sogar behindert. Andererseits leiden Menschen mit besonderen Denkbegabungen oft an Mängeln in anderen Gehirnbereichen. Der Gedächtniskünstler Solomon Shereshevsky (1886-1958) konnte sich zum Beispiel stundenlange Reden merken, dafür aber keine Gesichter. Auch den Volksstamm der aschkenasischen Juden führen Hills und Co an. Deren IQ liegt um 0,7 bis 1 Punkt über dem europäischen Durchschnitt – dafür erkranken sie aber überdurchschnittlich oft an sphingolipiden Erbkrankheiten, „welche dieselben neuronalen Ursachen haben wie die erhöhte Intelligenz, etwa die verstärkte Entwicklung von Empfängerfortsätzen.“

Der Durchschnittsmensch ist also genau so schlau, dass er gut lebt. Und „die Vision ‚Je mehr Hirn, desto besser’ hat nichts mit Evolution zu tun“, so Hills.

 

Foto: Tony Hegewald  / pixelio.de

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