Im Licht der Neontiger

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Ausgerüstet mit einer analogen Plattenkamera und einem Stativ lag Fotograf Peter Bialobrzeski tagsüber in Hotels in Bangkok, Kuala Lumpur oder Shenzen auf der Lauer. Bis 16 Uhr. Dann zog er mit der schweren Apparatur los, um einzufangen, was im Gewusel der Geschäftsviertel, rollenden Garküchen und Tuk-Tuks nicht sichtbar ist: Das surreale Leuchten asiatischer Megastädte, betrachtet von oben.

Nicht auf einzelne Neoneffekte konzentrieren sich Bialobrzeskis Bilder. Sie fangen vielmehr die Lichtwolke als Ganzes ein, die am Spätnachmittag von Laternen, Hochhausfenstern, Autoscheinwerfern und Reklamen gebildet wird. Gefiltert durch das Zwielicht der Abenddämmerung und den unvermeidlichen Smog der Großstädte in den Tigerstaaten eröffnen sich dem Betrachter so fast schon romantische Ansichten auf das scheinbar immer selbe, vielfältige Megalopolis. Denn auf die Identität der jeweiligen Stadt kam es dem Künstler nicht an. Vielmehr lieh er sich die realen Ansichten aus, um eine imaginäre Traumstadt im Stil von „Blade Runner“ oder „Sim City“ abzubilden. Eine Stadt, in deren Adern – den Straßen und Häusern – natürlich Neon fließt. Aber nicht mit der fast schon sprichwörtlichen Kälte des Edelgases, sondern zart und rosa wie Zuckerguss.

 

Peter Bialobrzeski: „Neontigers“, Hantje Cantz, 112 Seiten, 39,90 Euro

Bettina Koskiterian

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