Halloween Spezial! Werden Autopsien bald überflüssig?

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Sektionen an Verstorbenen sind unschön. Sie erfordern Sägen und Zangen, dauern bis zu sechs Stunden und zeigen am Ende vielleicht doch nicht das erhoffte Ergebnis. Schweizer Rechtsmediziner haben deshalb ein neues Verfahren entwickelt: die Sektion per Computer, genannt Virtopsie. „Wir glauben, dass diese Methode den Körper besser dokumentiert als die herkömmliche Autopsie“, sagt ihr Erfinder Michael Thali.

Bei der Virtopsie wird zunächst die Körperoberfläche des Toten von einem Roboterarm abgetastet und am Computer in einen virtuellen Körper umgerechnet. In diesem zeigen sich dann die Ergebnisse des nächsten Schritts, der Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen. „Hier erhält man schon einmal gute Ergebnisse in Bezug auf Knochenverletzungen und Fremdkörper“, so die Experten vom Institut für Rechtsmedizin in Zürich. Um Organe und weiches Gewebe zu untersuchen, bringen sie anschließend Magnetresonanztomografie zum Einsatz, gegebenenfalls auch eine Angiografie. Bei dieser Methode wird Kontrastmittel in die Gefäße des Verstorbenen gepumpt und der Flüssigkeitsverlauf am Bildschirm analysiert. So werden auch kleinste innere Verletzungen und Gerinnsel offenbar.

Die Vorteile der Virtopsie liegen auf der Hand. Verletzungen können maßstabsgetreu aus allen Winkeln analysiert werden, und das gleichzeitig an verschiedenen Orten der Welt. Werden Gegenstände eingescannt, können auch Unfall- oder Tathergänge simuliert werden. Thali: „Die Todesursache ist schneller heraus gefunden als mit der klassischen Autopsie.“ Entscheidend ist aber, dass statt Notizen und Fotos viel aussagekräftigere Daten, ja praktisch eine virtuelle Kopie des Toten, aufbewahrt werden können. Sie stehen noch Jahre später für Untersuchungen zur Verfügung, wenn die reale Person längst begraben ist.

Bisher ist die Virtopsie noch teuerer als eine herkömmliche Sektion. Auch vor Gericht ist sie noch nicht als einziges Beweismittel zugelassen. Doch sie setzt sich durch. In ganz Europa, darunter in Deutschland, Dänemark und Schweden, entstehen derzeit Virtopsielabore. (WIN)

Foto: Bernd Kasper  / pixelio.de

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