Gerade noch gefehlt!

Sandrine Kiberlain „Manquait plus qu’ca“Sandrine Kiberlain, französische Schauspielerin mit polnischen Wurzeln, ist stolz auf ihre Nase.

Schon in den Anfängen ihrer Karriere nahm sie sich vor, den Höcker zu ihrer Stärke zu machen, ebenso wie ihren langen Wuchs, der ihr die Bezeichnung „Giraffe en mouvement“ (wandelnde Giraffe) einbrachte. Das war Ende der 80er.

Nun ist Kiberlain 38, hat fast genau so viele Filme (etwa „Haben, oder nicht“) wie Lebensjahre hinter sich – und singt jetzt auch. Richtig, auch Model Carla Bruni und Aktrice Vanessa Paradis haben Platten aufgenommen. Und darum zieht Kiberlain mit Selbstironie ins Feld: „Manquait plus qu’ca“ heißt ihr Album (Virgin/EMI 094635670325), was in etwa „Das hat gerade noch gefehlt“ heißt.

Dabei brauchen die zwölf Lieder der CD gar nicht so viel Bescheidenheit. Sie sind angenehm zurückhaltend und einfallsreich. Viele der unkomplizierten Melodien haben das Zeug zum Ohrwurm, etwa die poetische Single „Y a du monde“, und eignen sich bestens, um Sommernächte sanft zu zelebrieren. Auch die sparsame Instrumentierung tut gut. Oft steht nur eine Bouzouki oder ein Vibraphon im Mittelpunkt, unterstützt von dezenter Percussion und unauffälligen Klarinetten – als hätten die Produzentenbrüder Souchon die zirpenden Grillen und die anregenden Gespräche der Hörer schon mitgedacht. Das alles ist ruhig und raffiniert.

Denn da ist Kiberlains Stimme. Tief, oft rau und erwachsen, in den Höhen zart und stets von erzählerischer Kraft. Sie verleiht den Geschichten, die sich meist um verlorene Liebe drehen, Selbstironie, Hoffnung und Biss. Es wäre ja auch verwunderlich, wenn die Künstlerin ihr kantiges Image nicht ausspielen würde: In „La Godiche“ beschreibt sie sich selbst, die tolpatschige Giraffe, die ehrlich geliebt werden will, im Titellied „Manquait plus qu’ca“ pocht sie auf ihr Recht, zu singen, und möge man noch so spotten. Alle Texte stammen von ihr selbst. Sie schreibt nämlich auch, aber darüber weiß man noch nicht viel. Ihre Platte jedenfalls ist absolut genießbar.

Autor: Isabel Winklbauer

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