Gab es eine Straßenverkehrsordnung für Kutschen?

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Bis zum Mittelalter war Reisen vor allem eines: gefährlich. Da Kaiser und König damals direkt für die Sicherheit der Straßen verantwortlich waren, kümmerten sie sich also vorrangig um das Hauptproblem der Wegelagerer. Eine der wenigen Verkehrsregeln, die Kaiser Friedrich I um 1152 erließ lautete, dass ein reisender Kaufmann ein Schwert mit sich führen durfte, dieses aber „am Sattel festbinden oder auf seinen Wagen legen soll, damit es ja keinen Unschuldigen verletzt.“

Erst im 13. Jahrhundert, mit dem Aufstieg der Städte und des Handels, entstanden in den Fürstentümern Verkehrsregeln, die sich um Vorfahrt und Unfallverantwortung drehen – jedoch alle unterschiedlich. Ein gut erhaltenes Regelwerk ist etwa der „Sachsenspiegel“ aus dem 13. Jahrhundert: Dieser vermerkt, dass Königsstraßen (die Vorgänger der heutigen Bundesstraßen und Autobahnen) so breit sein müssen, dass zwei Gefährte einander ausweichen können; und dass der leere Wagen dem beladenen ausweichen soll, der Reiter dem Wagen, der Fußgänger dem Reiter. Es gilt das Recht des Stärkeren! Auch Streitereien zwischen Reisenden und Bauern bespricht der „Sachsenspiegel“, da Fuhrwerke und gefräßige Rösser wohl häufig Kornfelder verdarben.

Die meisten Vergehen wurden jedoch nach Stadtgesetzen geahndet. In den engen Gassen waren Unfälle an der Tagesordnung, und so bestimmte etwa das Münchner Stadtrecht von 1347: „Wird ein Fuhrmann angeklagt, dass er Vieh mit dem Wagen gelähmt oder getötet habe (…) muss er den Schaden ersetzen.“ Schon damals langten die Städte bei Verkehrssündern gerne zu: „Kann man des Mannes, dessen Wagen einen Schaden verursacht hat, nicht habhaft werden“, bestimmt Bremen 1433, „so sollen die Pferde den Schaden ersetzen.“

Bis weit in die Neuzeit ging es also recht bunt auf den Straßen zu. Und zwar bei Linksverkehr, wie es im Römischen Reich üblich war. Erst Napoleon Bonaparte führte das Rechtsfahrgebot in Europa ein – weshalb es England nie erreichte. Unsere moderne Straßenverkehrsordnung entstand 1934. (win)

 

Foto: Michael Rittmeier  / pixelio.de

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