Erste Hilfe im Babystress

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Was guggst du?
Foto: Danielle / pixelio.de

Das Projekt „wellcome“ ist seit Jahren auf bundesweitem Erfolgskurs

Rose Volz-Schmidt, Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte Hamburg-Niendorf, ist das Paradebeispiel einer erfolgreichen sozialen Unternehmerin. Die 50-Jährige Sozialpädagogin gründete den Familienservice wellcome, bei dem freiwillige Helferinnen Müttern durch die schweren, ersten Wochen mit dem Säugling helfen – und erntete dafür schon so viel Lob und Preise, dass ihre Idee gute Chancen hat, sich dauerhaft bundesweit zu etablieren.

 

„Es braucht ein Dorf, um ein Kind groß zu ziehen“ – das afrikanische Sprichwort verfolgt Volz-Schmidt, seit sie nach der Geburt ihrer ersten Tochter völlig hilflos im Babyalltag ruderte. „Es gibt so viele Kurse rund um Babys“, sagt sie, „aber die Zeit, in der sich in den Familien die Weichen stellen, ist hilfefreie Zone.“ Angst, Depressionen oder negative Gefühle gegenüber dem Kind – davor will sie Eltern bewahren, indem sie ihnen Helferinnen schickt.

 

Zunächst gründet sie im Jahr 2000 einen Wochenbettservice, doch er scheitert. Dann fällt ihr zufällig ein Projekt aus den USA auf: die Organisation der Doulas, einer Art Allround-Babyhelferinnen. (siehe www.dona.org). Nach deren Vorbild  gründet sie 2002 wellcome – eine Idee ist importiert.

„Allerdings konnten wir nicht alles eins zu eins übernehmen“, erinnert sich Volz-Schmidt. „Die US-Doulas sind zum Beispiel speziell ausgebildet, die Einzelne agiert selbständig und wirbt für sich selbst. Bei wellcome dagegen liegt die Kompetenz bei zentral organisierten Koordinatorinnen – Frauen, die einen familienbezogenen Beruf gelernt haben, und mit denen die Mütter den ersten Kontakt aufnehmen.“ Zudem lassen sich die Doulas in den USA bezahlen. „wellcome dagegen arbeitet mit Ehrenamtlichen. Wer eine anfordert, zahlt höchstens vier Euro pro Stunde wenn er kann. Dafür bekommt er dann eine Art liebe Nachbarin, die stundenweise das Baby hütet, einkauft oder einfach plaudert, ein paar Wochen lang.“ Nicht nur bedürftige Familien können um Hilfe bitten, sondern alle, die sich subjektiv mit der neuen Babysituation überfordert fühlen.

Volz-Schmidts Konzept geht auf: 2003 wird sie Bundessiegerin des McKinsey-Wettbewerbs „startsocial“ und erhält ein kostenloses Training in Sozial-Management.

 

Seither geht es bergauf. 87 Wellcome-Teams in 12 Bundesländern gibt es nun schon, und sie betreuen 1430 Familien.Dabei fiel es den Initiatoren relativ leicht, immer wieder Gastorganisationen für ihre Büros zu finden. „In Ottobrunn sagte etwa die Freie Evangelische Gemeinde als Raumgeber zu, in Dresden der malwina e.V.“, so Volz-Schmidt. „Schwieriger ist die Finanzierung.“ Rund 7000 Euro kostete ein wellcome-Büro jährlich. Da spielen die Preise, die Volz-Schidt gewonnen hat, eine wichtige Rolle. Der Preis der Körberstiftung und deren Wettbewerbs USable schlägt mit 10.000 Euro zu buche, der Preis für Kinderschutz der HanseMerkur Versicherung ebenfalls, der Sozialpreis der Sparkassenstiftung und der Schiffspreis brachten jeweils 5.000 Euro – wunderbare Hilfen für eine expandierende Idee.

Zudem muss bei jeder neuen Dépendance die laufende Finanzierung aufgebaut werden, wie sie in Hamburg funktioniert: Gelder von den Jugend- und Sozialämtern mobilisieren, lokale Sponsoren überzeugen, und wenn alles läuft, die Landessozialministerien gewinnen – in Hamburg und Schleswig-Holstein bezahlen sie schon je eine halbe Arbeitsstelle für die Landeskoordination.

 

„Das Wichtigste ist aber, dass wir jetzt einen großen Sponsor auf Bundesebene finden“, sagt Volz-Schmidt, „was nicht ganz leicht ist. Denn für die großen Firmen sind wir zu klein, für die kleinen zu groß. Wir finden viele Image-Partner, aber wenige die in unserer Größenordnung spenden.“ Doch sie ist zuversichtlich. „Wir sind für eine Firma ein schönes Thema, das immer wichtiger und größer wird.“

Mehr Infos unter www.wellcome-online.de

Autor: Isabel Winklbauer

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