Eine Lodge am Pass der Träume

namibia

Namibia
Foto: La-Liana / pixelio.de

Namibia begeistert Deutsche mit atemberaubender Natur und afrikanischer Tradition. Eine Mitarbeiterin des Goethe-Instituts erinnert sich.

 

„Namibia… das ist ein weiter, klarer Himmel, duftende Luft und Aloe Vera. Offene, geradlinige Menschen. Und meine Lieblingstiere, die Giraffen, mit ihrem herrlichen Tai-Chi-Gang!“ Sabine Erlenwein hat Heimweh nach der Ferne. Drei Jahre lang war die Münchnerin Leiterin des Goethe-Zentrums in Windhoek, bis ihre Amtszeit endete. Jetzt sitzt sie wieder im Goethe-Institut an der Dachauerstraße, träumt von Afrika – und beneidet alle Urlauber, die jetzt, zur besten Reisezeit, das Land am Südzipfel des schwarzen Kontinents besuchen.

 

„Gerade für Afrika-Anfänger ist Namibia gut geeignet“, sagt Erlenwein. „Man sieht dort keine eklatante Armut, keine Krankheit. Das Land ist extrem sauber, es gibt vergleichsweise wenig Kriminalität. Sogar die Townships der Schwarzen an den Stadträndern sind im Vergleich zu anderen Ländern richtig gepflegt.“ Auch das Klima ist besucherfreundlich: Es hat durchschnittlich 25 Grad, und wenn es mal heißer wird, bleibt die Luft angenehm trocken, rein und klar. Nicht zu vergessen: „Die Servicequalität entspricht hier europäischen Standards.“

 

Von 1871 bis 1915 war Namibia eine Kolonie des deutschen Kaiserreichs – was in den Stadtbildern von Windhoek und den Küstenstädten Swakopmund und Lüderitz heute noch sichtbar ist. Es gibt Schwarzwaldarchitektur, Häuser im Burgenstil, Läden die ‚Blumenecke’ oder ‚Restaurant Kaiserkrone’ heißen. Viele Einheimische sprechen Deutsch. Die von Palmen umgebene Christuskirche in Windhoek ist neogotisch, und vor der Stephanuskirche gibt es jeden Samstag einen deutschen Bio-Markt. Das alles sei aber nicht aufgesetzt, so Namibia-Kennerin Erlenwein. Obwohl deutsche Touristen sehr beliebt seien (die Kolonialzeit ist im Gegensatz zur Südafrikanischen Besatzung bis 1990 eine vergleichsweise gute Erinnerung), suche man Schilder mit der Aufschrift ‚Hier deutsche Haxen’ vergebens. „Als deutscher Urlauber fühlt man sich zwischen Bismarckstraße und Vollkornbäcker einfach weniger fremd. Nur der Anblick der schwarzen Einheimischen, und vor allem der Herero-Frauen in ihren dicken Röcken und Kuhhorn-Kappen, erinnert einen wieder daran, dass man 9000 Kilometer von daheim entfernt ist. Es ist skurril.“

 

Hat man sich einmal zum Ausflug in die Wildnis entschlossen, ist natürlich alles anders. Angesichts der 300 Meter hohen Wüstendünen von Sossusvlei, südwestlich von Windhoek, sind Verwechslungen mit irgendeinem anderen Ort der Welt ausgeschlossen. Das größte von 21 Naturschutzgebieten wiederum, der im Norden gelegene Etosha-Nationalpark, ist ein Paradies für Tierliebhaber: Auf 23000 Quadratkilometern begegnet man Löwen, Leoparden, Antilopen und Büffeln. Die Elefanten des Parks zählen mit vier Metern Schulterhöhe zu den größten Afrikas, und mit etwas Glück kann man Schwarze Nashörner und Schwarznasen-Impalas beobachten.

 

Das ultimative Abenteuer ist für viele Reisende aber ein Besuch beim Volk der Ova-Himba in Kaokoveld, ganz im Norwesten. Der Stamm lebt, durch eine raue Küste und Berge isoliert, heute noch wie in der Steinzeit. Ihr Schönheitsideal gebietet den in Rundhütten wohnenden Kuhhirten und Jägern, sich über und über mit rötlich glänzender Paste aus Butter, Harz und Ocker einzustreichen. Doch so anders ihre Lebensart auch ist, die Himba gehen freundlich auf Fremde zu und freuen sich über Nahrungsmittel, Tabak und kleine Gegenstände als Dank für Fotoposen.

 

Wen es danach wieder in heimeligere Gefilde zieht, kann seine Tour schließlich an der Küste von Swakopmund beenden. An der dort gelegenen Walvis Bay gibt es mehrere Luxus-Lodges, unter anderem auch die Lodge „Burning Shore“ in Langstrand, in der Angelina Jolie und Brad Pitt im Mai 2006 ihr Kind zur Welt zu brachten. Sabine Erlenwein erinnert sich: „Die beiden waren richtig beliebt in der Bevölkerung. Die Millionen für das erste Babyfoto ließ Brad Pitt namibischen Arten- und Umweltschutz zukommen, das war sehr anständig. Glücklicherweise fließt auch viel Geld aus dem Tourismus in nachhaltigen Projekte.“

 

Zuletzt verrät die Goethe-Mitarbeiterin auch ihren absoluten Namibia-Geheimtipp. „Drei Stunden südlich von Windhoek liegt der Spreetshoogte-Pass“, erklärt sie. „Die Gegend dort ist überirdisch schön: Vom Pass aus sieht man auf ein Meer aus Bergen, Dünen und freiem Land, als ob man wie ein Vogel darüber fliegen würde. Wahnsinn! Und unterhalb des Passes liegen drei sehr gemütliche Lodgen.“

 

Erinnerungen, die die Goethe-Mitarbeiterin wehmütig werden lassen, wenn sie aus dem Fenster sieht. „Am meisten fehlen mir aber die Menschen“, sagt sie. „Die Namibier sind so lustig, beschwingt und gelassen. Genau das, was uns hier im deutschen Winter so sehr fehlt.“ Und dann ist da noch der weite, klare Himmel. Die duftende Luft. Die Aloe Vera und die Giraffen… „Am liebsten will ich gleich wieder hin“, sagt Sabine Erlenwein. „In Gedanken bin ich eben doch noch in Namibia.“

 

Namibia – Länderinfos

Sprache: Amtssprache Englisch, Afrikaans, Deutsch

Staatsform: Parlamentarische Demokratie

Religion: Christen (87%), afrikanische Religionen (13%)

Klima: November bis Februar Tagestemperaturen um 25°, Juli bis September um 20°; nachts deutlich kälter.

Währung: 1 Namibia-Dollar = 9 Cent (Kurs November 09); Kreditkarten an vielen Orten akzeptiert

Visa: Reisepass, mind. Sechs Monate gültig

Straßenverkehr: Linksverkehr

Isabel Winklbauer

Das könnte Dich auch interessieren...

2 Antworten

  1. Florian sagt:

    Toller ausführliche Bericht, da möchte man sofort eine Reise buchen. 🙂

  2. David sagt:

    Ich habe jetzt schon von mehreren gehört, dass Namibia toll für eine Reise sein soll. Bisher konnte ich mich nicht durchringen diese Reise zu unternehmen. Ich werde mir das mal vornehmen. Afrika interessiert mich sehr. Ich denke wenn mir Namibia gefallen wird, wird das nicht meine letzte Afrikareise sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spamschutz * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.