Ein Darkroom im Meer?

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Er lauert im Dunkeln und begattet wahllos alle Artgenossen, die ihm vor die Nase schwimmen: Der Tiefseekrake Octopoteuthis Deletron. US-Biologen haben 108 Exemplare seiner Gattung, also potentielle Partner, mit einer Videokamera gefilmt und dabei an ebenso vielen Männchen wie Weibchen Spermaspuren aus Paarungsversuchen gefunden. Damit steht fest, dass der Octopoteuthis beide Geschlechter bespringt – eine bisher einzigartige Beobachtung bei Weichtieren.

Genau genommen muss man bei dem Kraken von Betatschen statt Bespringen sprechen. Denn er platziert bei der Paarung mithilfe eines speziellen Paarungsarms ein Paket mit Millionen Spermien auf der Haut seines Gegenübers. Von dort aus lösen sich mehrere Spermiensäckchen und bohren sich in das Gewebe des Partners, wo sie schließlich Eizellen befruchten. Die leeren Säckchen bleiben auf der Haut zurück, was für Forscher ein gutes Indiz für eine Zusammenkunft ist.

Neun Jahre lang, von 1992 bis 2011, suchten die Biologen des Monterey Bay Aquarium Research Institute in 400 bis 800 Metern Tiefe nach solcherart markierten Kalmaren. Unter den von Tauchrobotern bespitzelten Tieren waren letztlich neun Männchen und zehn Weibchen, an denen die verräterischen Spermabeutel hafteten. Bei den Männchen hingen sie auch an Stellen am Rücken, an denen sie sich nicht selbst hätten befruchten können – ein anderes Männchen musste sie begattet haben.

„Die Strategie des Octopoteuthis ist wahrscheinlich eine Anpassung an seinen dunklen, wenig besiedelten Tiefsee-Lebensraum“, sagt Henk-Jan Hoving, Leiter der Studie. „Dort sind potentielle Partner rar und auch schwer zu indentifizieren, da Octopoteuthis-Männchen und -Weibchen gleich groß und einander sehr ähnlich sind.“ Die gleichgeschlechtliche Paarung maximiere den Fortpflanzungserfolg, indem die Männchen wahllos jeden Artgenossen mit Spermienpaketen versehen. So gehe kein Weibchen ungepaart aus einer Begegnung hervor. (WIN)

 

Foto: Ruth Rudolph  / pixelio.de

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