Durften Steinzeitkinder an die Höhlenwand malen?

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Die Höhle von Rouffignac in der Dordogne (Frankreich) ist berühmt für ihre Zeichnungen von Mammuts, Rhinozerossen, Pferden und abstrakten Linien. Die einstigen Bewohner der Gewölbe fertigten sie vor rund 13000 Jahren. Und zwar gemeinsam mit ihren Kindern!

Wie zwei Archäologinnen jetzt feststellten, stammt vor allem ein Großteil der Fingerlinien von sehr jungen, höchstens siebenjährigen Menschen. Die Streifen, die mittels der drei mittleren Finger in die damals weiche Lehmschicht der Wände gezogen wurden, sind keineswegs Gekritzel: Sie bilden Ovale, Ranken, manchmal auch Symbole, etwa dreieckige Gebäudeformen. „Damit sind sie das erste Beispiel für symbolische Höhlenmalereien von Kindern überhaupt“, sagt Jessica Cooney von der britischen Cambridge Universität.

Cooney und ihre Kollegin Leslie van Gelder aus Baltimore (USA) konnten sogar einzelne Künstlerpersönlichkeiten aus den Zeichnungen erkennen. Nach detaillierten Analysen der versteinerten Fingerbreiten und Kuppenformen stand fest, dass das jüngste, malende Kind etwa zwei Jahre alt gewesen sein mussten. Die Hauptkünstlerin der Höhle war, den Messungen zufolge, jedoch ein fünfjähriges Mädchen. Ihre Handschrift ist öfter zu finden als die jedes anderen Kindes, jedes Mannes und jeder Frau in Rouffignac, sogar an über zwei Meter hohen Decken und in so abgelegenen Kammern, dass Cooney und van Gelder eine dreiviertel Stunde durch den stockdunklen Fels robben mussten, um sie zu erreichen.

Zweifellos wurde dem Mädchen, wie auch den anderen Kindern, bei ihren Malereien von Erwachsenen geholfen. „Ob die Bilder rituellen Charakter haben, der Übung dienten oder einfach dem Vergnügen, ist unbekannt“, sagt Cooney. „Doch sie zeigen, dass Kinder damals wohl in die meisten, wenn nicht alle Bereiche des täglichen Lebens einbezogen wurden. Was wir heute als Kind betrachten, war damals vielleicht gar kein Kind mehr.“

 

Foto: Rudolpho Duba  / pixelio.de

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