Am anderen Ende der Welt

Abel Tasman National Park Foto: Anja Junker  / pixelio.de

Abel Tasman National Park
Foto: Anja Junker / pixelio.de

Wer Neuseeland erkundet, darf sich auf eine Reise voller unglaublicher Eindrücke gefasst machen.

Gräbt sich ein Spanier quer durch die Erde, kommt er in Neuseeland heraus. Antipoden nennt man Gebiete, die exakt am anderen Ende der Welt liegen – und Europas Antipoden sind, wenn auch nicht überall genau, die zwei grünen Inseln des Staates Neuseeland, 1600 Kilometer südwestlich von Australien im Pazifik gelegen. Die Reise dorthin ist nicht ohne: Mindestens 23 Stunden dauert der Flug über die Ostroute, und weil Neuseelands Tages- und Jahreszeiten genau entgegengesetzt zu den unseren laufen, droht der Jetlag des Jahrhunderts. Doch die Strapazen werden denen, die mindestens drei Wochen durchs Land reisen, vielfach gelohnt: Mit herrlichen Küsten- und Vulkanlandschaften, unzähligen sportiven Möglichkeiten und der Gastfreundschaft optimistischer, weltoffener Menschen.

 

Die meisten beginnen ihre Tour dort, wo der Flug endet, in Auckland. In der heimlichen Hauptstadt leben 1,3 Millionen Menschen – und damit fast ein Drittel aller Neuseeländer. Nur etwa 4 Millionen gibt es insgesamt, was daran liegen mag, dass die Inseln erst ab dem 11. Jahrhundert von den Maori als Lebensraum erobert wurden. „Aotearoa“ nannten die polynesischen Einwanderer die neue Heimat, „Land der langen weißen Wolke“. Gerade in Auckland lässt sich dieser Name gut verifizieren: Das Ballungsgebiet bietet einmalige Aussichtspunkte über Land, Meer und Himmel, etwa den 192 Meter hohen Skytower in der City, den mit dem Auto befahrbaren Mount Eden oder die Insel Rangitoto. Auch die Harbour Bridge lässt weit blicken, zum Beispiel über den Hafen, in dem französische Agenten 1985 das Greenpeace-Schiff „Rainow Warrior“ versenkten. Wer’s idyllisch mag, betrachtet im Zoo die Nationalvögel Kiwis und Keas, spaziert im Cornwall Park unter Schafen oder besucht den Film-Drehort von „Das Piano“ an der Küste.

Liebhaber exquisiter Badestrände zieht es aber wohl bald weiter nach Osten, zur Halbinsel Coromandel. Hier sonnt man sich in der „Cathedral Cove“-Bucht nahe einer kathedralenartigen Höhle neben einem natürlichen Wasserfall auf feinem, weißen Sand. Schicki-frei: Die Gegend, für die Maori von spiritueller Bedeutung, zieht viele Hippies und Alternative an. Manche von ihnen lauern am „Hot Water Beach“ auf Ebbe: Dann gibt das Meer 40 bis 60 Grad heiße Quellen im Sand frei, in die man sich prima eine Wanne zum Dösen schaufeln kann.

Das Zentrum der Kur- und Badeindustrie liegt jedoch weiter südlich in Rotorua. Wer sich in dem Ein-Straßen-Ort erst mal an den Schwefelgeruch gewöhnt hat, wird über die Ansammlung von Geysiren und natürlichen Thermen aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Am besten, man besichtigt den türkisfarbenen Inferno-Krater im Waimangu Thermal Valley, dann noch den 30 Meter hoch speienden Geysir Pohutu im Whakarewarewa-Valley und verbringt dann seine Tage nur noch im göttlichen Polynesian Spa am Rotorua-See.

Wer will, kann danach einen Abstecher nach Gisborne an der Ostküste machen: Von dort aus nördlich beginnt traditionelles Maoriland, in dem Niki Caro ihren „Whalerider“ drehte. Aber vorsicht: Die Wahrscheinlichkeit, in eine tausendköpfige Schafherde zu geraten, ist hoch.

Besser gleich weiter nach Süden, zum Tongariro-Nationalpark. Hier, inmitten der drei imposantesten Vulkane Neuseelands, hat Peter Jackson viele Szenen seiner „Herr der Ringe“-Trilogie gedreht. Umgeben von Lava und Geröll ragen der Ngauruhoe, der Tongarino und der Ruapehu in den Himmel; Zweitausender, die bei weitem nicht tot sind: Zuletzt schüttelten 1997 Eruptionen den Ruapehu. Keine Frage, dass die Wanderwege um und über die Vulkane fantastische Ausblicke bieten. Allerdings sollte man einen Abholservice für das Ende der Tour buchen, denn die Wanderwege sind selten Rundwege.

 

Noch schnell auf ein Lammgerichte in die Hauptstadt Wellington, deren Einwohner auf erneuerbare Energien und Individualismus schwören, dann weiter zur Fähre: Mit dem Tragflächenboot „Lynx“ dauert die Überfahrt zur Südinsel nur 90 Minuten.

Und schon wird es frischer. Ist es im Norden im Sommer um die 25 Grad warm, sind es auf der Südinsel nur 15. Auch die Zahl der Bewohner sinkt: Mehreren Millionen Schafen stehen weniger als einer Million Menschen entgegen.

Die Süd-Tour fällt oft kurz aus, da das Budget schon geschrumpft ist. Was aber nicht fehlen darf, ist ein Besuch im Fischerstädtchen Kaikoura an der Ostküste. Die nah ans Land reichenden Tiefseegräben bieten einen optimalen Lebensraum für viele Meeresbewohner – und für Touristen die einmalige Gelegenheit, mit Delfinen und Robben zu schwimmen, oder Wale und Haie zu beobachten. Extremsportler wiederum sollten Queenstown am Kuwaru Gorge nicht auslassen. Der Abenteuerer A.J. Hackett eröffnete hier 1988 die erste kommerzielle Bungee-Plattform. Seitdem hat sich der Ort zu einem Mekka für alle entwickelt, die verrückt nach Gefahr sind: Wildwasser-Rafter, „Fly-by-wire“-Flieger (eine Art Raketen-Hexenbesen), Tandem-Fallschirmspringer, Heli-Biker.

 

Gibt der Geldbeutel danach immer noch was her, kann die Reise beliebig weiter gehen: Da wären noch die Marlborough Weinbaugebiete, die Westlands mit ihren Regenwald-Gletschern, der Abel Tasman National Park, wo die Droge Kava Kava wächst… oder schließlich die Großstadt Christchurch, wo es wieder Flüge nach Hause gibt.

An diesem Punkt haben sich allerdings für so Manchen die Verhältnisse längst umgekehrt: Der Nabel der Welt ist plötzlich hier, die Antipoden irgendwo bei Spanien.

Ja, es sind schon viele für immer in Aotearoa geblieben, im Land der langen weißen Wolke.

 

 

Neuseeland Länderinfo

Sprache: Englisch, Maori

Währung: Neuseeland-Dollar (1 NZD = 0,53 Euro)

Staatsform: Parlamentarische Monarchie, Mitglied des Commonwealth

Religion: Christlich (ca. 64%), Atheistisch (ca. 24%), Maori u.a.

Straßenverkehr: Linksverkehr

Zoll: Strenge Einfuhrbestimmungen für Lebensmittel, z.B. Fleisch und Wurst

Einreise: Reisepass, mindestens noch drei Monate nach Abreise gültig

Ausreise: 20 Dollar Ausreisegebühr

 

Neuseeland – Pauschalangebote

Kommt Mittwoch (Thomas Cook, DerTour, Flüge)

 

Jürgen Ohlenmüllers

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spamschutz * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.